BeMobility - Berlin elektroMobil

Ausgangslage und Ziele des Projektes: 

Metropolen benötigen neue, multimodale Mobilitätskonzepte, um knappe finanzielle Mittel und Raum in der Stadt optimal ausnutzen zu können. Nachhaltige Klimastrategien erfordern gleichzeitig einen Wechsel hin zu nichtfossilen Brennstoffen. Durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen im Carsharing-Modell kann diesen Herausforderungen begegnet werden.

Ziel des Projektes BeMobility – Berlin elektroMobil war die Integration von Elektrofahrzeugen in den öffentlichen Verkehr Berlins. Hierfür galt es eine ganzheitliche Integration sicherzustellen:
 

  • Verkehrlich: zur Verfügungstellung von e-Fahrzeugen; Aufbau von Standorten und Ladeinfrastruktur
     
  • Angebotsseitig: integrierte Mobilitätskarte zur Nutzung des ÖV inkl. E-Fahrzeuge zur Steigerung der Attraktivität
     
  • Informatorisch: Applikation für Smart Phones zu eMobilität, um Informationsbereitstellung und –versorgung zu verbessern
     
  • Energetisch: Aufbau eines Micro Smart Grid und Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien

 

Im Rahmen des Förderschwerpunkts "Elektromobilität in Modellregionen" förderte das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in acht Regionen verschiedene Forschungsvorhaben mit insgesamt 115 Million Euro aus dem Konjunkturpaket II. BeMobility war das größte Projekt in der Modellregion Berlin/Potsdam.

Projektinhalte und Arbeitsschwerpunkte InnoZ: 

> Koordination des Gesamtprojektes BeMobility – Berlin elektroMobil

InnoZ organisierte Projekt- sowie Beiratssitzungen, leistete die Partnerkoor­dination, führte Öffentlichkeitsarbeit (Pressemitteilungen, Artikel, Homepage, Kongressteilnahmen und Veranstaltungen) durch und erstellte Zwischen- und Endberichte.

> Beteiligung Antragstellung und Partnerzusammenstellung mit dem Konsortialführer Deutsche Bahn AG

> Begleitforschung des Projektes in Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft

Im Zentrum der sozialwissenschaftlichen Begleitforschung des InnoZ stand die Identifikation der Nutzeranforderungen, die als Grundlage zur Entwicklung unterschiedlicher Produktkonzepte dienten. Die Identifikation der Nutzeranforderungen erreichte das InnoZ mithilfe verschiedener Ansätze:

  • Lead User Integration: Einbindung der Probanden während der Entwicklungsphase zur Ideengenerierung
     
  •  Produktbewertung: Personen unterschiedlichen Mobilitätsverhaltens bewerten die verschiedenen Angebotseigenschaften
     
  • Sozialwissenschaftliche Begleitforschung: vor, während und nach der Feldphase des elektro-Carsharings und der Einführung einer integrierten Mobilitätskarte wurden Erhebungen zu Mobilitätsverhalten, Einstellung und Zufriedenheit bezüglich der Elektromobilität, Nutzungsschwierigkeiten uvm. durchgeführt
     
  • Usability Labs: Gebrauchstauglichkeitstest zur Gewährleistung der Nutzerfreundlichkeit der IT-Schnittstelle

> Entwicklung eines intermodalen Informationssystems für Elektromobilität und den Öffentlichen Verkehr mit hoher Nutzerfreundlichkeit

> Planung und Betrieb der Plattform elektroMobilität

> Steuerung des Aufbaus eines Micro Smart Grid auf dem EUREF-Campus

Ergebnisse: 

Das Elektro-Carsharing in Berlin und dessen Integration auf den verschiedenen Ebenen konnte durch das Projekt BeMobility – Berlin elektroMobil erfolgreich umgesetzt und implementiert werden.

> Verkehrliche Integration:

Von Juni 2010 bis Ende September 2011 wurden von der DB Fuhrpark über 30 Elektrofahrzeuge an 15 Carsharingstationen mit entsprechender Ladeinfrastruktur bereitgestellt. Die Elektro- und Hybrid­fahrzeuge wurden ca. 2.850-mal von ca. 1.200 Nutzern ausgeliehen.

> Angebotsseitige Integration:

Gemeinsam mit der BVG, der S-Bahn Berlin, dem VBB sowie der DB Fuhrpark konnte das InnoZ mit der „Mobilitäts­karte Berlin elektroMobil“ ein integriertes Angebot entwickeln und testen. Die Karte richtete sich an Flinkster-Neu­kunden sowie Personen ohne ÖPNV-Abo. Im Juni und Juli 2011 wurden insgesamt 135 Karten verkauft.

> Informationale und digitale Integration:

InnoZ entwickelte mit Partnern geeignete IT-Schnittstellen und verbesserte diese mit begleitenden Usability-Tests in ihrer Gebrauchstauglichkeit. Es entstand eine Applikation, die ein verkehrsmittel­übergreifendes Routing ermöglicht.

> Energetische Integration:

InnoZ steuerte den Aufbau des Micro Smart Grids zur energetischen Versorgung und gesteuerten Ladung der Elektrofahrzeuge. Regenerative Energie wird durch Photovoltaik und Windräder auf dem Gelände erzeugt und in das lokale Stromnetz eingespeist. Eine Großbatterie fungiert als stationärer Netzpufferspeicher. Weiterhin wurden eine bidirektionale Ladesäule sowie eine Energieleitwarte zur Messung, Prognose und Steuerung der Energieflüsse aufgebaut. Ein interaktiver Multitouchtisch macht die Funktionsweise des Micro Smart Grid erlebbar.

Ergebnisse der Begleitforschung:

  • Die Elektrofahrzeuge im Carsharing wurden sehr positiv von den Nutzern aufgenommen. Insbesondere die geringen Fahrgeräusche, der Fahrspaß und die Umweltfreundlichkeit überzeugten.
     
  • Die Alltagstauglichkeit wurde in den Fokusgruppen zu Beginn des Projekts als Bewertungsfaktor für die Nutzungsbereitschaft identifiziert.
     
  • Die Mobilitätskarte führte zu einer moderaten Änderung des Mobilitäts­verhaltens. Der Gebrauch des Privat-PKW sank, die Kartennutzer waren häufiger im ÖPNV unterwegs. Die Nutzung des Carsharing und der Leihräder stieg. Rund drei Viertel der Nutzer wollen nach Ablauf der Testphase den Öffentlichen Verkehr mit Zeitkarte sowie das e-Carsharing weiter nutzen. Überzeugen konnte das multimodale Angebot aufgrund seiner Flexibilität, Umweltfreundlichkeit und der geringen Kosten.
     
  • Zur Steigerung der Nutzungshäufigkeit wird ein weiterer Ausbau der Infrastruktur mit Elektro-Carsharing-Stationen erforderlich. 

Plattform elektroMobilität – Erklärzentrale für neue Mobilität:

Im Rahmen des Projektes plante das InnoZ die Plattform elektroMobilität und betriebt diese seither. Die Plattform elektroMobilität dient als Praxislabor für Nutzerintegration und Tests, als Erklärzentrale für neue Mobilitätskonzepte und Forum für den nationalen wie internationalen fachlichen Austausch. Die Plattform elektroMobilität konnte sich innerhalb kürzester Zeit als zentrale Anlaufstelle für Elektromobilität in Berlin etablieren.

Die Ergebnisse des Projektes wurden auf der Abschlussveranstaltung am 8. Dezember 2011 in der Plattform elektroMobilität vorgestellt. [mehr]

Weitere Informationen:

Schlussbericht bei der Technischen Informationsbibliothek Hannover

Projektwebsite

Presseinformaton: "Erfolgreicher Abschluss des Projekts BeMobility"

Artikel zum Projekt "Zwei Jahre elektrisches Carsharing in Berlin" (PDF, 1MB) [Scherf, Christian; Wolter, Frank, in: "Deine Bahn" aus dem Fachverlag des Konsortialführers Deutsche Bahn, Heft 2/2012, S. 49-53]

Radiobeitrag auf radio eins, 6. Juni 2012 "BeMobility" Weert Canzler im Interview zum Berliner Mobilitätskonzept

BeMobility auf der Hannover Messe 2012

Beiträge in der Zeitschrift Internationales Verkehrswesen:

Auftraggeber/Zuwendungsgeber: 

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS)

Beteiligte Projektpartner: 
  • Bosch
  • Contipark
  • DAI-Labor (TU Berlin)
  • Deutsche Bahn
  • HaCon
  • RWE
  • Solon
  • Vattenfall
Projektlaufzeit: 
01.08.2009 bis 30.11.2011
Ansprechpartner: