ICU - Internes Crowdsourcing in Unternehmen: Arbeitnehmergerechte Prozessinnovationen durch digitale Beteiligung von Mitarbeiter/innen

Ausgangslage und Ziele des Projektes: 

Interne Crowdarbeit aus Arbeitnehmersicht denken

Als direkte Folge der technologischen Entwicklungen der letzten zehn Jahre stellt das interne Crowdsourcing (IC) eine neue Form von innerbetrieblicher Wissensverbreitung und digitaler Zusammenarbeit dar. Bei IC erzeugen eine Gruppe von Beschäftigen eines Unternehmens (die Crowd) im Austausch über eine digitale Plattform Ideen und Lösungen, die zu neuartigen Produkten und Dienstleistungen führen oder bestehende Angebote optimieren. Für Unternehmen ist die dadurch erreichte Effizienzsteigerung natürlich attraktiv. Die Akzeptanz von IC durch die Beschäftigten, die sich dabei regelmäßig über ihren alltäglichen Zuständigkeitsbereich hinaus in andere Unternehmensprozesse einbringen, wird durch das Fehlen nachhaltiger Anreize für die geleistete Arbeit in der Crowd aber erschwert. Damit Beschäftigte langfristig motiviert sind und die existierenden Potentiale von IC für sich ausschöpfen können, muss das Verfahren, das momentan ausschließlich als Innovationsmanagement genutzt wird, weiterentwickelt werden. Besonders die arbeitnehmergerechte Gestaltung von interner Crowdarbeit hat im Zusammenhang von IC Anwendungen bisher eine wenig beachtete Perspektive eingenommen.

Mehrstufige Modellentwicklung unter Anwendung partizipativer Methoden

Auf der Grundlage von Fallbeispielanalysen wird zunächst ein Grundmodell für IC entwickelt, das sich aus einer IC-Strategie mit den Komponenten „Innovationsmanagement“, „Mitarbeiterbeteiligung“ und „Qualifizierung & Weiterbildung“ sowie einer IC-Plattform zusammensetzt. Dieses neuartige IC-Modell wird vom Praxispartner für den eigenen Anwendungsfall im Endergiedienstleistungssektor angepasst, erprobt und zu einem Good-Practice-Modell für IC weiterentwickelt. Anschließend wird dieses Modell in einem partizipativen Verfahren vom Projektkonsortium, den Umsetzungspartnern und dem erweiterten Projektnetzwerk zu einem branchenübergreifenden Referenzmodell ausgeformt. Grundsätzlich wird im Projekt ein beteiligungsorientierter Ansatz verfolgt, bei dem alle Stakeholder (Belegschaft/Betriebsrat/Unternehmensführung) und Umsetzungspartner durch partizipative Maßnahmen von Projektbeginn an aktiv in den Entwicklungsprozess eingebunden werden.

Ein Referenzmodell Guter Praxis für internes Crowdsourcing

Das Ziel von ICU ist die Entwicklung eines in der Praxis getesteten arbeitnehmerfreundlichen internen Crowdsourcing-Modells, das als Referenzfall guter Praxis für zukünftige Crowdsourcingaktivitäten dienen soll. Im Fokus der Modellausgestaltung stehen die arbeitnehmergerechte Gestaltung der Anwendung, die digitale Beteiligung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Unternehmensprozessen und die Eröffnung von Kompetenzerweiterungen durch Crowdarbeit. Das Referenzmodell adressiert die drei wesentlichen betrieblichen Themenschwerpunkte des Innovationsmanagements, der Mitarbeiterbeteiligung sowie der Qualifizierung und kombiniert sie strategisch miteinander. Damit unterstützt es Unternehmen dabei, intern bereits vorhandenes ungenutztes Wissen und Kompetenzen zu mobilisieren, bereichsübergreifend zu vernetzen und in Unternehmensprozesse produktiv einzubeziehen. Gleichzeitig verbessert es die direkte Kommunikation zwischen Führungs- und Mitarbeiterebene, vereinfacht die Identifikation der Kompetenzen von Beschäftigten und die für sie geeigneten Qualifizierungsmaßnahmen.

Wissenstransfer und Verbreitung der Projektergebnisse

Die Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis sowie Checklisten und Leitfäden für IC stehen der interessierten Fachöffentlichkeit auch nach dem Ende von ICU über die Projekthomepage zur Verfügung. Ein wesentliches Projektergebnis ist die Erarbeitung einer Musterbetriebsvereinbarung, die sich speziell an Betriebsräte und Gewerkschaften richtet, während Implementierungshilfen, die in ICU identifizierten betrieblichen Rahmenbedingungen, Managementprozesse und Qualitätsstandards zusammenfassen, für Unternehmen handlungsleitend aufbereitet werden. Weiterhin werden die Projektergebnisse über zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit, Publikationen, Workshops sowie weitere öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen und einer Abschlusskonferenz transferiert.

Projektinhalte und Arbeitsschwerpunkte InnoZ: 

In Rahmen des Projekts entwickelt das InnoZ einen Blended Participation-Ansatz für die Einführung von IC. Die konkreten Aufgaben im Projekt bestehen darin, die systematische Mitarbeiterbeteiligung und Partizipation von Stakeholdern bei der Entwicklung des IC-Modells sowie bei der Weiterentwicklung des Good-Practice-Modells für IC im Dienstleistungssektor zum branchenübergreifenden Referenzmodells zu konzeptionieren, durchzuführen und nach dem Vorbild des Blended Learning-Ansatzes mit digitalen Elementen zu ergänzen.

Dazu wird exemplarisch in Kooperation mit dem Praxispartner GASAG eine Reihe von partizipativen, diskursiven Formaten durchgeführt und durch ein Online-Crowdsourcingmodul erweitert, das allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Unternehmens die Möglichkeit gibt, sich mit den Ergebnissen auseinanderzusetzen, die die Zufallsauswahl aus dem Personal erarbeitet hat. Die Resultate der partizipativen Online- und Offline-Elemente werden in doppelter Form in das Projekt eingespeist. Zunächst werden Empfehlungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Formaten Kurzplanungszelle und Crowdsourcingmodul zur Planungszelle (Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter) und Expertenworkshops (Betriebsrat, Unternehmensführung, Projektbeirat) abgestimmt wurden, in den Entwicklungsprozess des IC-Modells aufgenommen. In einem weiteren partizipativen Schritt wird die Praxistauglichkeit der Umsetzung der Empfehlungen geprüft und Empfehlungen zum Nachsteuern generiert (Face-to-Face und Online-Fokusgruppen). Auf der Meta-Ebene wird abschließend das partizipative Vorgehen zur Entwicklung der systematischen Beteiligung bei internem Crowdsourcing geprüft (Expertensalons).

Auftraggeber/Zuwendungsgeber: 
  • Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
  • Förderung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF)
Beteiligte Projektpartner: 

Technische Universität Berlin

  • Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre/ FG Arbeit & Technik (IBBA)
  • Institut für Softwaretechnik und Theoretische Informatik/ FG Quality and Usability Lab (QUL)
  • Institut für Technologie und Management/ FG Innovationsökonomie (ITM)

Berliner Gaswerke Aktiengesellschaft (GASAG)

Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin (IZT)

Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ)

Forum Soziale Technikgestaltung (FST) beim DGB Baden-Württemberg

 

Umsetzungspartner: DGB Bundesvorstand, Hans-Böckler-Stiftung, SAP SE, Unternehmensberatung Benning & Company GmbH, Benteler Automobiltechnik GmbH, Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen, Partake AG, ver.di Bundesverwaltung, Universität Kassel/ Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, Universität Dortmund/ Lehrstuhl für Organisationsforschung, Sozial- & Weiterbildungsmanagement, TU Berlin/ Lehrstuhl für Qualität und Usability

Projektlaufzeit: 
01.06.2017 bis 31.05.2020