Modellierung von Carsharingszenarien in Berlin

Ausgangslage und Ziele des Projektes: 

Komplexe Fragestellungen zu aktuellen Mobilitätstrends bringen häufig den Wunsch nach konkreten Zahlen mit sich. Das zeigt sich auch in den letzten Jahren bei der gesellschaftlichen Diffusion neuartiger Mobilitätsprodukte, wie zum Beispiel der Elektromobilität oder dem  free-floating-Carsharing. Bei der wirtschaftlichen Bewertung von Szenarien, die private, halb-öffentliche und öffentliche Angebotsformen automatisierter Fahrzeugflotten beschreiben, können moderne Tools der Verkehrssystemplanung wichtige Hinweise liefern. Multi-Agenten-Modelle weisen eine sehr hohe Flexibilität in den Möglichkeiten der Anpassung von Nachfrage, Verteilung und Auswahl auf, so dass sehr spezifische Aussagen getroffen werden.

Projektinhalte und Arbeitsschwerpunkte InnoZ: 

Ziel war es einerseits ein Planungstool für intermodale Mobilitätsinnovationen mitzugestalten und zweitens Wirkungsweisen des flexiblen Carsharings (FCS) zu bestimmen. Die Erhebung und Aufbereitung der Eingangsdaten erfolgte durch das InnoZ im Projekt Berlin elektroMobil durch Befragungen zum Nutzerverhalten und der Auswertung von Carsharing-Buchungsdaten sowie von Web-Mining-Daten. Die Erzeugung einer initialen Modell-Nachfrage mittels solcher Passivdaten kann als methodisches Novum gesehen werden. Mit den Projektpartnern wurden Szenarien des Carsharing formuliert. Für vier unterschiedliche Carsharing-Szenarien wurden im Projekt Modellberechnungen durchgeführt, die Aussagen zu erwartbaren Auslastungszahlen und vorraussichtlichem Modal-Shift, also dem Wechsel von anderen Verkehrsträgern auf das Carsharing, ermöglichen. Die Szenarien werden in folgender Tabelle dargestellt.

Tabelle 1): Übersicht über die wichtigsten Szenarioannahmen (Fallstudien)

  Basismodell Szenario I Szenario II Szenario III b Szenario III a
  2011 ohne flexibles Carsharing 2015 mit neuen Stationen in ausgewählten Gebieten vielen neuen Stationen im Tarifgebiet A und vielen EVs Fallstudie I mit FCS und ohne Geschäftsgebiet Fallstudie I mit FCS und mit Geschäftsgebiet
Bevölkerung 4 422 000 4 506 000 4 506 000 4 506 000 4 506 000
# Kartenbesitzer SCS 20 000 38 000 86 000 38 000 38 000
# Kartenbesitzer FCS - - - 194 000 194 000
# CS Standorte 82 152 351 152 152
# Fahrzeuge SCS 175 329 829 329 329
# Fahrzeuge FCS - - - 2 500 2 500
Ergebnisse: 

Wichtigste Ergebnisse zur Methodik:

  •  Ein Basismodell einer Multi-Agenten Simulation kann mit vertretbaren Aufwänden für neuartige Mobilitätsangebote angepasst werden.
  •  Räumliche und zeitliche Resultate sowie Auslastungszahlen weisen eine gute Qualität und akzeptable Genauigkeit beim Carsharing-Modell auf. Siehe der interaktiven Webkarte:

Verteilung der berechneten Carsharingnutzung und der modellierten Modal-Split-Werte

Wichtigste inhaltliche Ergebnisse:

  • Die Nutzung von stationäres Carsharing (Fahrweiten) intensiviert sich durch Verdoppelung der Fahrzeuge, stagniert bei weiterer Verdoppelung.
  • Stationäres Carsharing wird nach Einführung von flexiblen Carsharing intensiver genutzt (Fahrweiten, Buchungsdauer).
  • Der Modal-Split Anteil des ÖVs ist bei hoher Dichte von stationärem Carsharing am höchsten, jedoch ist der MIV-Anteil bei großem Bediengebiet von flexiblen Carsharing am geringsten.
  • Volkswirtschaftlich Vorteilhaft erscheint daher die Ausdehnung des Bediengebiets von flexiblen Carsharing in den VBB-Tarifzonen B und C.

 Tabelle 2): Übersicht über die errechneten Verkehrsleistungen für Berliner Carsharing-Mitglieder

  Basismodell Szenario I Szenario II Szenario III b Szenario III a
gefahrene km gesamt 272 000 516 000 1 192 000 3 185 000 3 184 000
SCS-Anteil 0,7 1,1 1,0 0,2 0,2
FCS-Anteil - - - 1,5 0,7
Fußwegeanteil 7,7 7,9 7,8 7,9 7,9
Fahrradanteil 12,2 12,2 12,4 12,5 12,1
ÖV-Anteil 43,9 45,1 45,4 45,1 44,9
Pkw-Anteil 35,5 33,6 33,4 32,8 34,1

Auftraggeber/Zuwendungsgeber: 
  • Förderung im Rahmen des BMVBS-Forschungsprojekt Berlin elektroMobility
Beteiligte Projektpartner: 
  • Entwicklung Basierend auf die bestehende BVG-Multi-Agenten-Simulation in MATSim
  • Formulierung der Szenarien durch InnoZ und DB Rent
  • Durchführung der Simulation durch die senozon
  • Analyse der Ergebnisse durch InnoZ, senozon und ETH-Zürich

 

Projektlaufzeit: 
01.07.2012 bis 31.12.2012